Blick durch das Schlüsselloch

Blick durch das Schlüsselloch

Wer gerne einmal im Vorfeld eines Andachtsbesuchs „durch das Schlüsselloch“ in einen Andachtsraum schauen würde, findet weder einen sakralen noch einen symbolischen Raum. Aber er kann dennoch etwas davon sehen, was unsere Andachten ausmacht:

Quäker glauben, dass Andacht keiner sakralen Räume bedarf („Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“). Quäkerandachten können also überall stattfinden. In Deutschland gibt es nur zwei Andachtsräume der Quäker (in Bad Pyrmont und in Berlin). In anderen Städten treffen sich die Gruppen zur Andacht in Gemeindehäusern anderer Konfessionen und Religionen, in Bürgerhäusern oder in privaten Räumen.

Auffällig ist zunächst, was es hier nicht gibt: Keinen Altar, keine Kanzel, keine sakralen Einrichtungsgegenstände, keine (liturgischen) Symbole. Die Einrichtung des Andachtsraumes reflektiert die Einfachheit der Quäkerandacht, die keiner Liturgie folgt.

Die Form der Quäkerandacht entspricht dem Glauben der Quäker, dass das Göttliche sich jedem Menschen, der es sucht, offenbaren kann. Im gemeinsamen Schweigen, Hören und Warten in der Stillen Andacht suchen Quäker die Verbindung mit Gott.
Die Stille kann man auf dem Photo nicht „sehen“, aber sich vorstellen, dass durch das offene Fenster Vögel zu hören sind, auch wenn der Raum während der Andacht mit Menschen gefüllt ist.

Von Quäkern für eine Andacht vorbereitete Räume spiegeln in der Einrichtung häufig die Zeugnisse der Quäker wider, nach denen sie leben: Einfachheit, Frieden, Wahrhaftigkeit, Gemeinschaft, Gleichwürdigkeit. Bei den eigens gebauten „Meetinghouses“ in England gilt dies oft auch für die gesamte Architektur. Dabei geht es nicht darum, Symbole zu schaffen, sondern die Einrichtung ist von den Zeugnissen geleitet. Beispielsweise ist der Kreis, in dem die Stühle stehen, nicht nur ein Zeichen für Gemeinschaft und Gleichwürdigkeit, sondern ermöglicht es, Gemeinschaft und Gleichwürdigkeit in der Andacht zu leben, weil sich alle TeilnehmerInnen der Andacht gegenseitig sehen und hören können.

Der Raum spricht von Einfachheit: Der Raum ist schlicht und zweckmäßig eingerichtet, ohne unnötigen Schmuck. Die Blumen auf dem Tisch hat vermutlich ein/e TeilnehmerIn vor Beginn der Andacht im Garten gepflückt. Viele Andachtsgruppen haben eine brennende Kerze auf dem Tisch stehen. Der Raum spricht von Gleichwürdigkeit: Es gibt keinen besonderen Platz für Amtsträger, da die Quäker das Priestertum aller Gläubigen leben. Wer in der Andacht etwas sagen möchte, das er/sie in der Stille erfahren hat, steht er/sie einfach auf und spricht am Platz. Manche Andachten verlaufen auch ganz ohne Wortbeiträge.

Auf dem Tisch in der Mitte liegen für alle erreichbar Bücher, in und aus denen während der Andacht gelesen werden kann. Meist sind dies eine Bibel (manchmal in verschiedenen Übersetzungen), „Glaube und Wirken“, eine Sammlung von Quäker-Aussagen vom 17. Jahrhundert bis heute, sowie „Ratschläge und Fragen“. Ein meditatives Bilderbuch für Kinder, die an der Andacht teilnehmen wollen, liegt ebenfalls bereit.