Gespräch aus der Stille

Gespräch aus der Stille

Ein Gespräch aus der Stille (englisch: Worship Sharing) ist eine Form des kreativen Zuhörens. Es ist eine Art, unsere Erfahrungen miteinander zu teilen, das offene Zuhören und das Sprechen über spirituelle Erfahrung zu üben. Als Variation der „Stillen Andacht“ ist ein Gespräch aus der Stille wortreicher, ohne geschwätzig zu werden.

Ein Gespräch aus der Stille hat ein Thema, ein Frage, die wir individuell und gemeinsam ergründen, aus der Stille heraus und daher tief, in die Andachtsgemeinschaft und daher nah. Der Austausch im Gespräch aus der Stille – das, was wir von uns teilen, und das, was wir von den Anderen verstehen – soll es ermöglichen, dass wir uns vertrauensvoll, vorurteilsfrei und in Liebe zu begegnen, „in dem, was ewig ist“.

Die Fragen, von denen das Gespräch startet sollten einfach sein, offen gestellt werden und auf individuelle Erfahrung zielen und der Gruppe angemessen sein. Sie stehen in der Tradition der Ratschläge und Fragen, können aber so einfach (und so schwer) sein wie die Fragen „Was wünschst du dir für unsere Gemeinschaft?“, „Wo habe ich Gütekraft erfahren?“, „Was macht mich traurig, und was froh?“

Über die Jahrhunderte hat sich gezeigt, welche Regeln hilfreich sind, um ein gutes Gespräch aus der Stille zu ermöglichen. Dazu gehört vor allem, zuzuhören, ohne zu beurteilen, mit der eigenen Erfahrung abzugleichen. Um nicht in eine Diskussion zu verfallen, hilft es, nicht aktiv zu antworten, weder bajahend noch ablehnend, sondern nur aus der eigenen Erfahrung zu sprechen. Weil wir uns aber in der Stille begegnen, ist es dennoch ein Gespräch.

Das folgende Bild kann den Einstieg in diese Form des kreativen zuhörens erleichtern:
Stell dir vor, du sitzt mit den anderen um einen See herum und blickst auf das klare Wasser. Vor dir liegen Kieselsteine. In der Stille betrachtet ihr die Wasseroberfläche und das Spiel des Lichts. Irgendwann wirft jemand einen seiner Steine ins Waser, titscht ihn. und er sinkt in die Tiefe. Hör hin, sieh hin wie der Stein tiefer und tiefer sinkt. Kleine Wellen, Windrippeln, breiten sich in konzentrischen Kreisen aus. Irgendwann erreichen sie das Ufer, an dem du sitzt. Stille. Jemand anders wirft einen Stein, und die Rippeln treffen sich mit den anderen, denen, die noch da sind, und denen, die nur noch als Nachbild nachhallen. Begrüße die Rippeln, die dich erreichen. Konzentriere dich auf das Bild auf der Wasseroberfläche, das nach und nach aus dem Geteilten entsteht, höre hin. Wenn du deinen eigenen Stein wirfst, wähle ihn sorgfältig – mache keine zu großen Wellen und suche nicht eitel den schönsten aus, sondern den, der sich am wärmsten in deiner Hand anfühlt. Den kannst du loslassen und titschen lassen, mit so wenigen Worten wie möglich und so vielen wie nötig. Wenn die anderen Sprechen, höre zu, statt über deine eigenen Steine nachzudenken, und lass es in dir wirken wie Wasserrippeln, die auch durch dich hindurchgehen. Wenn ihr am Ende vom See weggeht, bleibt das Bild der sich berührenden, überschneidenden, kommunizierenden Wasserrippeln. Die Steine liegen auf dem Grund des Sees, und ihr werdet das Gesagte vertraulich behandeln.