QUNO – Quäker und die UN

QUNO – Quäker und die UN

Den Mächtigen die Wahrheit sagen – im Stillen

Die Quäker sehen es als ihre Pflicht an, politisch Mächtigen direkt und konstruktiv auf ungerechte Zustände anzusprechen und sich für die Verbesserung von Missständen einzusetzen. Der Ausdruck „Speak Truth to Power“ wurde von dem amerikanischen Bürgerrechtler und Quäker Bayard Rustin geprägt, hat aber Vorläufer schon bei den Frühen Quäkern. Quäker gehen durchaus auch lautstark auf die Straße, wenn es sinnvoll ist – für ihre ganz besondere Form der Stillen Diplomatie haben sie sich aber Respekt erarbeitet und werden daher gehört, auch wenn sie leise sprechen.

Die Quäker-Büros bei den Vereinten Nationen

Seit Gründung der Vereinten Nationen haben Quäker versucht, mit Hilfe der UN gewaltsame Auseinandersetzungen zu verhindern und die Aufmerksamkeit der UN auf sogenannte „vergessene Konflikte“ sowie Menschen und Themen ohne Lobby zu lenken. In Genf und New York unterhalten sie je ein Quäker-Büro bei den Vereinten Nationen (QUNO Geneva, QUNO New York). QUNO ist als Nicht-Regierungs-Organisation (NGO) mit beratendem Status registriert. 2002 erhielten sie in Anerkennung der bisherigen Arbeit dabei den „General Status“, die höchste Stufe, was den Einfluss von QUNO deutlich macht.

Die wichtigste Methode der Einflussnahme, die QUNO nutzt, sind Gespräche ohne Öffentlichkeit, für die QUNO Entscheidungsträger zusammenbringt und ermutigt, Gemeinsamkeiten zu suchen und Lösungen zu finden. In geschützten, informellen, ergebnisoffenen Räumen können die Entscheidungsträger anders sprechen und zuhören.

Außerdem leisten sie Lobbyarbeit – nicht für Quäker, sondern für Themen. Durch Forschung und die Bereitstellung von Materialien und durch Statements in der Rolle als beratende NGO arbeitet QUNO daran, Themen auf die Agenda der Gremien der Vereinten Nationen zu bringen, für die sonst niemand sprechen würde.

Themen und Arbeitsbereiche

QUNO ist in den Bereichen Friedenskonsolidierung, Konfliktprävention, Entwaffnung und Friedensarbeit, Menschenrechte und Situation von Flüchtlingen, ökonomische Gerechtigkeit, Strafjustiz und Klimapolitik aktiv.

QUNO lässt sich in der Arbeit nicht von aktuellen Themen bestimmen, sondern thematisiert oft „vergessene” Fragen und betont die Verbindungen zwischen Themen. In der Vergangenheit konnte es dadurch mehrfach gelingen, „vergessene“ Themen immer weiter nach vorne auf die Agenda zu setzen sowie Netzwerke und Koalitionen zu bilden, bis die Themen eine starke Lobby haben. So waren es u.A. die Quäker, die das Thema Landminen als Teil des Programms zur Förderung von Abrüstungsbemühungen bekannt machten. Im Genfer QUNO-Büro gibt es in Anerkennung des Quäker-Beitrags in dieser Frage eine offizielle Kopie des Ottawa-Abkommens, das Minen verbietet. Kindersoldaten sind ein weiteres Thema, das von Quäkern aufgegriffen wurde. Als sich später auch viele andere Organisationen darum kümmerten, waren es die Freunde, die auf die speziellen Probleme von Mädchen und jungen Frauen in bewaffneten Auseinandersetzungen aufmerksam machten.

Die Betreuung von Gefangenen hat bei Quäkern eine lange Tradition (die Freundin Elizabeth Fry ist auf der britischen Fünf-Pfund-Note verewigt, wie sie gefangenen Frauen im Newgate-Gefängnis aus der Bibel vorliest), und es gibt immer noch viel zu tun. So gelang es den Quäker-Büros, die Probleme inhaftierter Frauen auf die Tagesordnung zu heben. In den letzten Jahren war QUNO federführend beim Handeln zugunsten der Rechte von Kindern, deren Eltern im Gefängnis sitzen oder zum Tode verurteilt sind.

Fragen der Gerechtigkeit im Welthandel werden vom Büro in Genf bearbeitet, weil dort die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und die Welthandelsorganisation (WTO) ihren Sitz haben.

QUNO unterstützt im Auftrag der Quäker auch andere Gruppen, gehört zu werden, so unterstützt QUNO etwa Delegationen aus sogenannten Entwicklungsländern und Vertreter Indigener Gruppen u. a. bei juristischen Fragen.

QUNO Summer School und Programme Assistants

QUNO bildet junge Menschen (Quäkerinnen und Quäker sowie Menschen, die unsere Werte teilen) aus: Zum einen durch das System der „Programme Assistants“, Jahrespraktika für Universitätsabsolventen, die wie Volontariate eine Praxisausbildung leisten, zum anderen kommen seit 1955  jedes Jahr 25 junge Menschen zur QUNO Summer School nach Genf, um die Vereinten Nationen und QUNO kennenzulernen. Viele der ehemaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiten heute an verschiedenen Positionen der UN oder für andere NGOs und helfen mit, den Mächtigen der Welt die Wahrheit zu sagen.

 

Weiterlesen