Quäkertum und Christentum

Quäkertum und Christentum

Christliche Wurzeln, offen für neues Licht

Das Quäkertum entstand im 17. Jahrhundert als Bewegung von Menschen, die sich als Christen verstanden, und die zur Essenz des Christentums jenseits der institutionalisierten Kirche zurückkehren wollten. Diese christlichen Wurzeln prägen unser Verständnis von Gott, unseren Glauben und unsere Praktiken, auch wenn diese sehr verschiedene Formen haben, verglichen sowohl mit anderen christlichen Gemeinschaften als auch innerhalb unserer Gemeinschaft. Denn heute verstehen viele Quäker sich als Christen – andere aber nicht. Viele Quäker ziehen Inspiration aus diesen Wurzeln und sehen Jesus als Vorbild, einige mit einem deutlichen Interesse für die Tradition der (christlichen) Mystik. Viele andere Quäker fühlen sich von anderen religiösen Traditionen, etwa dem Buddhismus, dem Judentum, dem Islam oder dem Hinduismus besser inspiriert, herausgefordert, genährt. Wieder andere Quäker stehen dem Humanismus näher als der theistischen Religion – und andere sehen (zur Zeit) keine Notwendigkeit, sich mit solchen Fragen zu beschäftigen, und verstehen sich einfach als Quäker.

Dieses offene, undogmatische Umgang mit unseren christlichen Wurzeln ermöglicht uns, offen zu sein für die Erfahrung des Göttlichen, in welcher Weise sie sich auch zeigen mag. Sie verhindert, dass wir uns in theologischen Disputen verlieren. Wir wissen aber, dass aus dieser Offenheit Verantwortung zur individuellen Prüfung und gemeinschaftlichen Verständigung erwächst, denn unser Glaube ist nicht beliebig.

Quäker und die Bibel

Die Bibel, die Überlieferungen der Quäker und alle Schriften über die Offenbarungen Gottes sind uns – mit großen individuellen Schwerpunkten und Vorlieben – wichtig. Aber Gottes Geist wirkt auch bei gewöhnlichen Tätigkeiten und Erfahrungen des täglichen Lebens! Inspiration umgibt uns überall, wir sind aufgefordert, uns neuem Licht zu öffnen. Quäker haben Dinge erlebt und gefunden – die unmittelbare Gegenwärtigkeit des Göttlichen, Gütekraft, „das von Gott in jedem Menschen“. Sie sind aber Suchende, die undogmatisch offen sind für neue Erfahrungen aus vertrauten wie auch unerwarteten Richtungen. Eine Folge dieser Haltung ist die religiöse Toleranz der Quäker, die auch unter ihren Mitgliedern eine große Breite von religiösen Auffassungen – von bibeltreuen Christen bis zu religiösen Humanisten – in Übereinstimmung bringen kann.

Wir sind der Ansicht, dass wahre Religion nicht aus Büchern oder vorgegebenen Gebeten, Worten oder Ritualen gelernt werden kann. Wir weigern uns daher, die Bibel alleine zum endgültigen Kriterium für die richtige Lebensgestaltung und die wahre Lehre zu machen: Der gleiche Geist, der in der Vergangenheit die biblischen Schriften inspiriert hat, kann auch Jahrhunderte später glaubende Menschen inspirieren. Viele Quäker lesen die Bibel – und oft auch Schriften anderer Religionen oder philosophische Schriften – nicht als letzte Autorität, sondern als historische Zeugnisse dieser Offenbarung.

Quäker haben erfahren, dass Gott durch das Innere Licht allen Menschen Zugang zur Wahrheit gibt, und wir wissen, dass kein Buch diese lebendige Erfahrung ersetzen kann, und die Kenntnis von Bibelstellen keine vollständige Antwort ist, wenn wir gefragt werden: Was kannst du sagen?