Stille Andacht

Stille Andacht

Schweigen, Hören, Warten

Kern unseres spirituellen Lebens, unseres Glaubens und unseres Wirkens ist das gemeinsame Schweigen, Hören und Warten in der Stillen Andacht. Wir suchen die Verbindung mit dem göttlichen Geist, ohne festgelegten Kult oder Liturgie und ohne einen Pastor. Diese Form entspricht unserer Erfahrung, dass das Göttliche sich jedem Menschen, der es sucht, offenbaren kann.

Abseits von der Unruhe des Alltags versuchen wir, uns der Führung Gottes/des Inneren Lichtes anzuvertrauen. Im gemeinsamen aufmerksamen Warten in der Stille werden wir innerlich ruhig, erkennen wir, was für uns den Sinn des Lebens ausmacht und erfahren Freude und Staunen über die Schöpfung. Für uns ist diese Stille von großem Wert. Sie befähigt uns, uns allmählich auf uns selbst einzulassen und uns mit unserem Licht wie auch unserer Dunkelheit anzunehmen und Angst, Bedrängnis, Verwirrung und Eigennutz loszulassen. Wir versuchen zu hören, was sich uns mitteilt, und zugleich zu fragen, was wir sagen können. Die Andacht ist der Raum der Erfahrung, in der wir uns der Führung einer geistigen Kraft anvertrauen, bestärkt, aber auch herausgefordert werden.

Sprechen aus der Stille

Unsere Andachten können völlig wortlos verlaufen, aber wenn sich einer der Teilnehmenden – unabhängig von Alter, Geschlecht, theologischer Bildung – berufen und geführt fühlt, Zeugnis abzulegen, teilt er oder sie seine Erfahrung in der Form eines kurzen Beitrags („Ministry“). Dieses Sprechen aus der Stille heraus ist keine vorbereitete Predigt, sondern entspringt der unvermittelten spirituellen Erfahrung. Oft drückt ein solcher Beitrag aus, was schon in der Stille gegenwärtig ist, und zeugt nicht nur vom Sprechenden, sondern durch ihn von einer spirituellen Wirklichkeit, welchen Namen wir dieser Wirklichkeit auch geben wollen. Es ist diese spirituelle Kraft, die uns in der Andacht hält und für die wir uns zu öffnen versuchen. Manche Freunde sprechen daher von „Offener Andacht“, denn die Stille ist nicht das, was wir suchen, sondern das, was uns bei der Suche hilft. Eine Andacht kann auch dann „gesammelt“, d.h. voll von Wirken und Erfahrungen von tiefen, unsichtbaren Dingen sein, wenn sie ohne oder mit wenigen gesprochenen Worten verläuft.

Ablauf

Quäkerandachten dauern meist eine Stunde. Die Teilnehmenden sitzen in der Regel im Kreis, um sich gegenseitig bewusst wahrnehmen zu können und die Verbundenheit miteinander zu spüren. Manchmal wird zu Beginn der Andacht ein kurzer Text vorgelesen, doch viele Andachtsgruppen beginnen die Andacht mit Schweigen. Meist wird sie mit einem Händedruck aller Anwesenden beendet, und danach ist Zeit und Raum für den Austausch und Gespräche bei einer Tasse Tee.

Im schlichten Rahmen der Quäkerandacht leben wir unsere Gemeinschaft miteinander und mit Gott. Hier geben sich Brautleute ihr Treuegelöbnis, werden neugeborene Kinder der gemeinsamen Obhut empfohlen und wird Verstorbener gedacht.

Zu Quäkerandachten ist jeder Suchende und jede Suchende willkommen!