Was muss ich tun?

Was muss ich tun?

Anliegen

Quäker verwenden den Begriff „Anliegen” (Englisch: concern), um zu beschreiben, dass wir einer absoluten inneren Notwendigkeit folgen, aber auch wissen, dass nicht wir selbst, sondern etwas Höheres zu uns sagt: „Das ist es, was getan werden muss – und du musst helfen, es zu tun”.

Einer der zentralen Aspekte des Quäkertums ist der Sinn für die Unmittelbarkeit Gottes und die andauernde Offenbarung, die von uns allen immer wieder entdeckt werden kann und muss. Daher sind Quäkerinnen und Quäker offen dafür, in der „Begegnung mit Gott“, in der „Führung durch den heiligen Geist“ oder in der „Entdeckung der Wahrheit im Inneren Licht“ (je nachdem, welche Sprechweise sie bevorzugen) ihren Glauben in Handeln zu überführen. So wird aus der Frage „Was kann ich tun, um die Veränderung zu sein, die ich sehen möchte?“ eine starkes Bewusstsein dafür, was ich tun muss, als „Teil der Absicht Gottes auf dieser Erde“. Ein solches Anliegen kann darin bestehen, als Friedensfachkraft in ein Konfliktgebiet zu gehen, oder darin, ein Thema auf lokaler Ebene auf die gesellschaftliche Agenda zu heben.

In „Glaube und Wirken“ heißt es dazu: „Ein Anliegen mag unerwartet aus einem Interesse erwachsen oder sich langsam aus der ehrfürchtigen Suche nach einem Weg vorwärts entwickeln. Es kann mit aktuellen Wünschen oder Projekten übereinstimmen oder aber sie durchkreuzen; es kann zu Tätigkeiten führen, die denen ähnlich sind, die bereits von anderen asgeübt werden, oder es kann einen mutigen Schritt ins Unbekannte erfordern.“ (13.02)

Anliegen prüfen und zum gemeinschaftlichen Anliegen machen

Die Religiöse Gesellschaft der Freunde unterstützt ihre Mitglieder darin, solche Rufe zu erkennen und von eigenen egoistischen Wünschen oder ideologischen Vorurteilen zu unterscheiden. In der Stillen Andacht und im Austausch können wir Anliegen „testen“, prüfen ob sie ein wirkliches Anliegen sind.

Als Ergebnis der Inneren und gemeinschaftlichen Prüfung des Anliegens kann eine Unterstützung struktureller oder finanzieller Art stehen. Ein individuelles Anliegen kann so zu einem Anliegen der Religiösen Gesellschaft oder von Quäkergruppen werden. Ein Beispiel dafür sind der „Kabarak Call for Peace and Ecojustice“, in dem die Weltkonferenz der Freunde 2012 dem Anliegen der Quäker weltweit, ökologische Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zu schaffen, Ausdruck verliehen hat – und all die individuellen Wege und Entscheidungen Einzelner auf dem Weg dorthin.