Was ist eine Cary-Vorlesung?

Was ist eine Cary-Vorlesung?

Seit 1936 hält während jeder Jahresversammlung ein Freund oder eine Freundin, den/die die deutschen Quäker darum gebeten haben, einen Vortrag: die „Richard-Cary-Vorlesung“. Diese Vorträge beschäftigen sich mit Fragen, die sich für die Vortragenden aus der Haltung, Quäker zu sein, ergeben. Sie sind so vielfältig wie die Freundinnen und Freunde und so wechselhaft wie unsere Geschichte. Sie betreffen Theologie, Friedensarbeit, biographische und spirituelle Erfahrungen und sind Zeugnisse der jeweiligen Freundinnen und Freunde, aber auch Spiegel der Herausforderungen, denen die Quäker sich im Wandel der Zeit stellten.

Wer war Richard Cary?

Richard L. Cary wurde am 14. März 1886 in Baltimore, Maryland, USA geboren. Nach einer Ausbildung zum Bergwerkingenieur unterrichtete er an der Princeton University Mathematik. Nach dem Kriege stellte er sich dem American Friends Service Committee (AFSC) in Philadelphia zur Verfügung, um an der Organisation der Kinderspeisung mitzuarbeiten. Im Dezember 1919 kam er nach Deutschland, wo ihm die Arbeit im Ruhrgebiet zufiel. Er blieb hier bis zum August 1920. Nach seiner Rückkehr nach Amerika wandte er sich dem Journalismus zu und wurde Mitglied der Redaktion einer der bedeutendsten amerikanischen Zeitungen, der „Baltimore Sun“. Als Verfasser der Leitartikel dieser Zeitung war es sein Bestreben, der amerikanischen Öffentlichkeit die Gedankenwelt anderer Länder näher zu bringen und dadurch die durch den Krieg entstandene geistige Trennung der Völker zu überwinden. Hieraus entstand in ihm der Wunsch, wieder nach Deutschland zu gehen.
Im Jahre 1930 siedelte er mit seiner Familie nach Berlin über, um das Amt des amerikanischen Sekretärs in dem dortigen internationalen Sekretariat der Religiösen Gesellschaft der Freunde (Quäker) zu übernehmen. Seine ganze Arbeit war von der tiefen Überzeugung getragen, dass die Welt nur zum Frieden gelangen könne, wenn alle Beziehungen unter den Völkern darauf gegründet werden, dass der Mensch das Ebenbild Gottes ist. Durch sein enormes Wissen konnte er vielen helfen und er gewann weitreichende Verbindungen. So wurde er auch in den Vorstand der amerikanischen Handelskammer zu Berlin gerufen. Im Frühjahr 1933 machte er eine Reise nach Amerika, wo er zahlreiche Vorträge hielt. Vielleicht ist es dieser Überanstrengung zuzuschreiben, dass ihn ein Schlaganfall traf, an dessen Folgen er am 16. Oktober desselben Jahres in Berlin starb. Seine Asche ist auf dem Quäkerfriedhof in Bad Pyrmont beigesetzt.

Stiftung der Cary-Vorlesung

Zum Gedächtnis an Richard L. Cary hatten seine Freunde in Baltimore einen Betrag gesammelt, der dazu bestimmt war, in jedem Jahr während der Jahresversammlung der deutschen Quäker eine Vorlesung über Fragen zu ermöglichen, die sich aus der religiösen Grundhaltung des Quäkertums ergeben. Da der Betrag nach dem Zweiten Weltkrieg entwertet war, übernahm die deutsche Jahresversammlung die Verpflichtung, die Vorlesung im Sinne der Freunde aus Baltimore weiterzuführen.

Mary Cary

Während der Trauerfeier für Richard Cary in Berlin wurde – wie es im Quäker Ende 1933 heißt – hervorgehoben, mit welcher inneren Hingabe und Liebe Richard und seine Frau Mary Cary in ihrer Arbeit gestanden hätten, seit sie nach Deutschland gekommen seien. Mary werde die Arbeit fortsetzen, die sie zusammen mit ihrem Manne begonnen habe. Und als Mary dann Deutschland verließ – wie es im QUÄKER Ende 1934 heißt – wurde von Emil Fuchs betont, sie sei zuständig gewesen für die Kindergruppe, die Jungquäker und die Studentenarbeit. Sie habe die Kraft und die Freudigkeit besessen, das gemeinsame Werk weiter zu tun im Geiste der Liebe und der Treue, in der sie es gemeinsam mit Richard getan hätte.